Vor jedem Gespräch die eigene Perspektive bewusst neu ausrichten
Viele Konflikte im Team beginnen nicht mit bösem Willen, sondern mit Missverständnissen. Eine Führungskraft erlebt eine Mitarbeiterin als anstrengend, die Mitarbeiterin fühlt sich nicht ernst genommen. Beide sprechen über dasselbe, hören aber völlig Unterschiedliches. Genau hier entscheidet sich, ob ein Gespräch Mauern baut oder Brücken.
Ein wirksamer Zugang beginnt noch vor dem ersten Wort. Wer innerlich bereits verärgert ist, sendet diese Haltung unbewusst mit. Es hilft, sich bewusst an die Stärken des Gegenübers zu erinnern. Ein Kollege kann fachlich verlässlich sein, auch wenn er in Stresssituationen knapp reagiert. Eine junge Mitarbeiterin mag unsicher wirken, bringt aber viel Einfühlungsvermögen für Gäste mit. Mit diesem Blick ändert sich die Atmosphäre spürbar.
TIPP: Nehmen Sie sich vor jedem herausfordernden Mitarbeitergespräch einen kurzen Moment und rufen Sie sich bewusst drei Stärken Ihres Mitarbeiters in Erinnerung. Auch wenn es zuerst schwerfällt, dieser kleine Schritt verändert Ihre innere Haltung. Sie gehen nicht mit Ärger, sondern mit Offenheit ins Gespräch. Ihr Gegenüber spürt, dass Sie es als Mensch wahrnehmen. Und genau das öffnet oft Türen, die vorher verschlossen waren.
Ursachen erforschen statt Verhalten bewerten
Im Gespräch selbst geht es weniger um Vorwürfe als um echtes Interesse. Anstatt Verhalten zu bewerten, lohnt es sich zu fragen, was hinter den Veränderungen steckt. Oft kommen dann Geschichten zum Vorschein, die niemand kannte: private Belastungen, Überforderung durch neue Abläufe oder das Gefühl, seit Jahren auf der Stelle zu treten. Wenn Führungskräfte zuhören, statt sofort Lösungen zu präsentieren, entsteht Raum für neue Wege.
Sinn klären und Aufgaben mit Stärken verknüpfen
Motivation wächst vor allem dort, wo Menschen den Sinn ihrer Arbeit erkennen. Im Tourismus ist dieser Sinn eigentlich überall spürbar, wird aber selten ausgesprochen. Ein perfekt vorbereitetes Zimmer, ein freundlicher Check-in oder ein aufmerksamer Service machen den Urlaub eines Gastes erst möglich. Wer diesen Zusammenhang versteht, arbeitet mit einer anderen Haltung. Noch stärker wirkt es, wenn Aufgaben mit persönlichen Stärken verbunden werden und Mitarbeiter*innen merken, dass sie mehr einbringen dürfen als nur Routine.
Wenn empathische Führung an Grenzen stößt
Natürlich gibt es Grenzen. Bei schwerwiegenden Regelverstößen braucht es klare Entscheidungen. Empathie bedeutet nicht Beliebigkeit, sondern respektvolle Klarheit. Doch in den meisten Fällen liegt die Lösung nicht in der Kündigung, sondern im Dialog. Betriebe, die diesen Weg gehen, erleben stabilere Teams, weniger Fluktuation und eine spürbar bessere Stimmung im Haus.
Am Ende geht es um eine einfache Wahrheit: Menschen wollen gute Arbeit leisten. Wenn Rahmenbedingungen, Kommunikation und Wertschätzung passen, verschwindet das Etikett „schwierig“ oft von selbst. Führung wird dann vom täglichen Kampf zur echten Gestaltungskraft und genau das macht den Unterschied für erfolgreiche Tourismusbetriebe.




