Berufe verändern sich. Anforderungen verändern sich. Und manchmal verändert sich ein Mensch schneller als sein Lebenslauf.
Trotzdem suchen viele Unternehmen noch immer nach Bewerber*innen, deren bisherige Erfahrung möglichst genau auf ein vorgegebenes Stellenprofil passt. Die Frage ist nur: Wie sinnvoll ist das noch in einer Arbeitswelt, in der sich Aufgaben, Technologien und benötigte Fähigkeiten laufend verändern?
Nicht nur schauen, was jemand schon kann
In der Mitarbeitersuche wird häufig zuerst geprüft:
- Welche Ausbildung?
- Welche Positionen?
- Wie viele Jahre Berufserfahrung?
Das ist nachvollziehbar. Ein Lebenslauf gibt Orientierung. Aber er erzählt vor allem etwas über die Vergangenheit eines Menschen. Für die Zukunft eines Unternehmens kann eine andere Frage mindestens genauso wichtig sein: Was kann dieser Mensch noch lernen?
Lernbereitschaft, Eigeninitiative, Neugierde und die Fähigkeit, sich auf neue Situationen einzustellen, gewinnen an Bedeutung. Denn viele Fähigkeiten, die heute gefragt sind, können sich in wenigen Jahren verändern oder weiterentwickeln. Genau darauf weisen auch aktuelle Diskussionen über die Zukunft der Arbeitswelt hin.
Gerade im TOURISMUS zählt mehr als der perfekte WERDEGANG
Im Tourismus sind viele Kompetenzen schwer in einem Lebenslauf abzubilden.
Gastgeberqualitäten – Empathie – Verlässlichkeit – Kommunikationsfähigkeit – Teamgeist.
Die Fähigkeit, in einer unerwarteten Situation ruhig zu bleiben und eine Lösung zu finden.
Das sind Eigenschaften, die im täglichen Umgang mit Gästen und Kolleg*innen entscheidend sein können, auch wenn die vorherige Berufsbezeichnung nicht exakt zur ausgeschriebenen Stelle passt.
Vielleicht kommt die beste Rezeptionistin nicht aus einem anderen Hotel. Vielleicht wird aus einem Quereinsteiger ein hervorragender Gastgeber. Vielleicht bringt jemand noch nicht jede fachliche Voraussetzung mit, dafür aber genau jene Haltung, die zum Betrieb passt.
Und was sagen die ZEUGNISSE?
Den Lebenslauf nicht überzubewerten heißt nicht, bisherige Erfahrungen völlig auszublenden. Gerade qualifizierte Dienstzeugnisse können interessante Hinweise liefern, wenn man ihre Aussagen richtig einordnet.
Dass Formulierungen in Dienstzeugnissen oft feine Abstufungen enthalten und nicht jede positiv klingende Wendung tatsächlich positiv gemeint ist, ist Arbeitgeber*innen längst vertraut. Spannend wird es dort, wo Aussagen fehlen, auffällig allgemein bleiben oder bestimmte Stärken bewusst nicht erwähnt werden.
Ein Dienstzeugnis sollte deshalb nicht vorschnell über eine Bewerbung entscheiden. Aber es kann ein guter Anlass sein, im persönlichen Gespräch genauer nachzufragen und damit mehr über einen Menschen zu erfahren, als der Lebenslauf allein verrät.
Aus STELLEN werden AUFGABEN
Auch Stelleninserate könnten deshalb anders gedacht werden. Anstelle von „Diese fünf Voraussetzungen müssen Sie erfüllen.“ besser (und stärker) „Diese Aufgabe möchten wir gemeinsam lösen.“
- Welchen Beitrag kann jemand leisten?
- Was kann er oder sie bei uns lernen?
- Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?
Arbeitgeber sollten weniger ausschließlich nach fixen Berufsprofilen suchen und stärker danach, welche Probleme und Aufgaben Menschen lösen können. Das verändert auch die Rolle in der Mitarbeiter-Akquise.
Es geht nicht mehr nur darum, die Person zu finden, die heute am besten in eine Stellenbeschreibung passt. Es geht darum, Menschen zu erkennen, die morgen mit dem Betrieb wachsen können.
POTENZIAL braucht aber auch ENTWICKLUNG
Wer Potenzial einstellt, muss Entwicklung ermöglichen. Dazu gehören gute Einschulung, regelmäßiges Feedback, verständliche Kommunikation und Möglichkeiten, neue Fähigkeiten aufzubauen.
Gerade für jüngere Mitarbeiter*innen werden kurze, konkrete Lernformate und laufende Rückmeldungen zunehmend selbstverständlich. Damit wird Lernen ein Teil der Arbeitgeber-Attraktivität.
Denn ein Arbeitsplatz ist nicht nur dort interessant, wo bereits alles perfekt passt. Sondern auch dort, wo Menschen die Chance bekommen, besser zu werden. Vielleicht ist der perfekte Lebenslauf also gar nicht das Ziel.
Natürlich bleiben fachliche Qualifikationen wichtig. Und nicht jede Position eignet sich für Quereinsteiger*innen. Aber gerade in Zeiten, in denen gute Mitarbeiter*innen schwer zu finden sind, lohnt sich ein zweiter Blick. Nicht nur auf Abschlüsse, Positionen und Berufsjahre. Sondern auf Haltung, Lernfähigkeit und Potenzial.
Denn manchmal steht der beste zukünftige Mitarbeitende noch gar nicht im perfekten Lebenslauf.





